Selbstsicher Auftreten

Sicheres Auftreten trainieren

Schülerin der ILA

Letizia

Aller Anfang ist schwer – das gilt auch für den sicheren Auftritt vor Publikum. Während einigen Glücklichen das Charisma in die Wiege gelegt wurde und sie fast ohne Worte überzeugen, müssen andere dafür üben und trainieren. Die gute Nachricht: Auch wenn die persönliche Ausstrahlung ungleich verteilt ist, lässt sich das sichere Auftreten durchaus trainieren. Der Weg zu Überzeugungskraft und Souveränität vor Publikum führt im Wesentlichen über

  • gute Vorbereitung und
  • Körpersprache

Ganz wichtig: Es geht nicht darum, sich zu verstellen. Das würde auch nicht viel bringen. Psychologen haben nämlich herausgefunden, dass es nur etwa 150 Millisekunden dauert, um zu entscheiden, ob ein Gesprächspartner als sympathisch empfunden wird oder nicht. Eine Zeitspanne, die so winzig ist, dass wir sie unmöglich bewusst beeinflussen könnten.

„Signale der Sicherheit“

Dass es dennoch hilfreich ist, die Selbstwahrnehmung zu schärfen und die wichtigsten nonverbalen (nicht-sprachlichen) Signale zu kennen, hat einen anderen Grund: Wer weiß, dass eine bestimmte Körperhaltung Selbstvertrauen signalisiert, währende eine andere Unsicherheit ausstrahlt, kann sich bewusst um einen guten Stand und eine aufrechte Haltung bemühen. Das macht uns nicht weniger unsicher und nervös.

Sicher ist aber, dass bewusst eingesetzte Haltung, Atemtechnik und Blickkontakt auch Rückwirkung darauf haben, wie sich ein Redner selbst fühlt. Beschäftigung mit diesen Faktoren kann also eine selbst verstärkende Wirkung zeigen. Nach dem Motto: „Ich wirke selbstbewusst, also bin ich selbstbewusst.“

Beim Reden werden Selbstbewusstsein und Ausstrahlung vor allem über diese vier „Signale der Sicherheit“ vermittel:

  • Aufrechte Körperhaltung
  • Gestik
  • Mimik und Blickkontakt

Haltung zeigen

Wenn es um sicheres Auftreten geht, steht an erster Stelle die richtige Körperhaltung. „Rückgrat zeigen“ oder ein „guter Auftritt“ sind Redewendungen, die bildhaft formulieren, was dahinter steckt. Über alle Kulturgrenzen hinweg vermitteln eine gerade, offene Haltung und ein fester Stand Aufrichtigkeit, Sicherheit und Überzeugungskraft.

Ein aufgerichteter Körper wirkt sich auch auf die Stimme aus: Der feste gerade Stand erleichtert das Atmen, mehr Luft kann in die Lungen strömen und ermöglicht es damit, die Stimme voll auszuschöpfen. Die Folge: Wir sprechen lauter und klarer und haben im Wortsinn einen „längeren Atem“, der dem Gesagten mehr Durchsetzungs- und Überzeugungskraft verleiht.

Gestik

Über die richtige oder falsche Gestik haben die meisten Menschen schon (zu) viel gehört. Oft führt aber gerade diese übermäßige Bewusstheit für alle möglichen „falschen“ Gesten dazu, dass wir uns verkrampfen und dann genauso wirken, wie wir es eigentlich vermeiden wollten – unsicher.

Wer seine eigene Gestik – also die Bewegungen der Arme, Hände und des Kopfes – unterdrückt, läuft Gefahr, sich häufiger zu versprechen und den Faden zu verlieren. Im Rahmen des persönlichen Stils sollten Sie deshalb die eigene Gestik getrost zulassen.

Als unangenehm empfinden es allerdings viele Menschen, wenn jemand mit ausgestrecktem Finger auf sie zeigt (wirkt besserwisserisch), wenn der Redner mit den Händen dauernd durch die eigenen Haare oder das Gesicht streicht (wirkt unsicher) oder die Hände hinterm Rücken oder unter dem Tisch „versteckt“ (kann unaufrichtig wirken).

Blickkontakt

In unserem Kulturkreis gilt Blickkontakt als ein wichtiges Instrument der Kommunikation. Mit Blicken steuern wir den Gesprächsablauf, signalisieren Gesprächsbereitschaft und Aufmerksamkeit, zeigen unsere Zustimmung oder Ablehnung. Auch (und gerade) vor größerem Publikum ist Blickkontakt deshalb äußerst wichtig.

Blickkontakt bleibt aber immer eine Kontaktaufnahme zwischen zwei Partnern. Man kann eben nicht mehreren Personen gleichzeitig in die Augen blicken. Wer vor Publikum spricht, sollte deshalb auf einen wechselnden, aber bewussten Blickkontakt mit Einzelnen achten. Dazu am besten versuchen, das gesamte Spektrum der Zuhörer anzusehen, indem der Blick nicht zu schnell von einer Seite des Raums zur anderen wandert und immer wieder für einige Sekunden auf einigen Gesichtern verweilt.

Stimme

Unabhängig vom Inhalt des Gesprochenen gibt eine klare, volle Stimme ein weiteres Signal der Sicherheit ab. „Der Ton macht die Musik“, weiß der Volksmund und liegt mit dieser Aussage auf einer Linie mit der Wissenschaft. Unter dem Oberbegriff „Stimme“ fassen wir zusammen

  • Stimmhöhe
  • Betonung
  • Sprechtempo
  • Lautstärke
  • Artikulation

Wichtig ist dabei, mit der eigenen Stimme zu spielen und monotones Sprechen zu vermeiden. Eine volle klare Stimme, ein nicht zu schnelles Sprechtempo und abwechslungsreich eingesetzte Lautstärke sorgen für Interesse. Einen letzten guten Tipp für erfolgreiche Redner formulierte Martin Luther, dem das Zitat: „Tritt frisch auf, mach‘s Maul auf und hör‘ bald auf“ zugeschrieben wird. Nur wer bewusst mit Mund, Kiefer- und Zungenmuskulatur arbeitet, den Mund beim Reden wirklich öffnet, die Laute deutlich formt und einzelne Begriffe durch besonders klare Artikulation hervorhebt, kommt beim Publikum gut an – in mehr als einer Beziehung.

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